
Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung und kann als diese erst bei Erwachsenen diagnostiziert werden. Betroffene erleben bis zu neunmal stärkere Emotionen als Nicht-Betroffene und können dadurch stark belastet sein.

Borderline
Begriffsdefinition
Borderline zählt zu den Persönlichkeitsstörungen. Ärztliches und therapeutisches Personal verwenden dafür inzwischen häufiger den Begriff „emotional-instabile Persönlichkeitsstörung“. Die Bezeichnung Borderline entstand vor 100 Jahren durch die Annahme, dass sich die Störung im Grenzbereich (engl. borderline) zwischen Neurose und Psychose bewege. Viele Betroffene sind sehr misstrauisch und neigen zu Fehlinterpretationen sozialer Situationen. Bei Borderline-Patient*innen sind Gefühlsregulation, Selbstbild und soziale Beziehungen instabil. Personen, die von der Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen sind, beschreiben ihr Leben teilweise wie eine unkontrollierbare Achterbahnfahrt. Sie können unter häufigen, extremen Stimmungsschwankungen leiden. Zusätzlich können impulsives Verhalten sowie Selbstverletzung Zeichen der Persönlichkeitsstörung sein. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erleben Emotionen bis zu neunmal intensiver und langanhaltender als Nicht-Betroffene.
Häufigkeit
Das Aufführen verlässlicher Zahlen zum Vorkommen der Borderline-Störung in der Allgemeinbevölkerung ist schwierig, da die Zahlen je nach Autor*in schwanken und auch große Diskrepanzen auftreten. Bohus spricht von einem Anteil von 1,2% an der Gesamtbevölkerung, Swartz und Blazer von 1,8%, im DSM IV werden 2,0% genannt. Unumstritten ist dagegen der wesentlich höhere Anteil erkrankter Frauen. In klinischen Untersuchungen pendeln die Zahlen zwischen 70 und 75%. Feldstudien finden aber eine geringer ausgeprägte Geschlechterdifferenz von 60% Frauen zu 40% Männern.
Borderline-Persönlichkeitsstörung im DSM V:
Im Klassifikationssystem DSM V wird Borderline im Bereich der Persönlichkeitsstörungen klassifiziert.
Borderline zeigt sich generell in einem tiefgreifendem Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie in deutlicher Impulsivität. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter.
Für eine Diagnose müssen mind. fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein:
- Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden
- Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen
- Identitätsstörung
- Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgabe, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Fressanfälle“)
- Wiederholte suizidale Handlungen, Suizidandeutungen oder -drohungen oder selbstverletzendes Verhalten
- Affektive Instabilität
- Chronische Gefühle von Leere
- Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren
- Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome
Modelle zur Entstehung der Borderline-Störung
Über die Ursachen von Borderline-Störung gibt es verschiedene Theorien und Ansätze. Einigkeit besteht jedoch weitgehend darüber, dass es sich um eine Beziehungsstörung handelt, die in der kindlichen Entwicklung begründet liegt. Häufig sind ein oder mehrere traumatische Erlebnisse (z.B. sexueller Missbrauch) die Auslöser. Auch können Verlusterlebnisse in der Kindheit, emotionale Vernachlässigung, Konflikte im Jugendalter sowie eine überbehütete Kindheit Ursachen für eine Bordeline-Störung sein.
Was kann helfen?
Um Emotionen zielführender zu regulieren, können Betroffenen auf „Skills“ (s. Aggression und SVV) zurückgreifen lernen. Zudem können viele Betroffenen von der Dialektisch-Behavioralen Therapie nach Linehan profitieren. Diese Form der Verhaltenstherapie wurde speziell für die Therapie von der Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt.
Auch bei diesen Themen helfen wir
Suizidalität
Suizid ist die häufigste Todesursache bei jungen Menschen. Jährlich sterben etwa 500 junge Menschen an Suizid. Suizidversuche geschehen weitaus häufiger. Die meisten Suizide sind vermeidbar – Ein Gespräch kann hier Leben retten!
Essstörungen
Junge Menschen sind immer häufiger von Essstörungen betroffen. Essstörungen sind psychosomatische Erkrankungen. Sie belasten Betroffene also nicht nur psychisch, sondern haben auch körperliche Folgen. Betroffene erleben eine Verzerrung der Körperwahrnehmung. Essstörungen können tödlich verlaufen, daher ist hier professionelle Hilfe besonders wichtig.
Depression
Depressionen zählen zu den häufigsten Erkrankungen weltweit und beeinflussen das Leben von Millionen Menschen. Auch Angehörige von Menschen mit Depressionen fühlen sich oft hilflos und unsicher.
Aggression und SVV
Aggressionen und selbstverletzendes Verhalten sind keine psychischen Erkrankungen, sie können jedoch Symptom sein oder anzeigen, dass es jemanden aktuell nicht gut geht. Betroffene können ihren Selbstverletzungsdruck teils mit sogenannten „Skills“ bewältigen.
Angst- und Panikstörungen
Angst ist ein überlebenswichtiges Gefühl. Bei einer Angst- und Panikstörung ist dieses Gefühl jedoch nicht passend reguliert und Betroffene erleben starke Ängste, die den Situationen nicht angemessen sind. Folge können zum Beispiel Panikattacken oder der gesellschaftliche Rückzug sein.
Borderline
Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung und kann als diese erst bei Erwachsenen diagnostiziert werden. Betroffene erleben bis zu neunmal stärkere Emotionen als Nicht-Betroffene und können dadurch stark belastet sein.
Dissoziation
In extremen Stresssituationen können Menschen dissoziieren. Dies kann zum Beispiel im Kontext traumatisierender Erfahrungen erlebt werden. Bei einer Dissoziation können Betroffene das Gefühl erleben, dass die Umwelt sich starke verändert (Derealisation) oder sie sich selbst anders wahrnehmen (Depersonalisation).
Mobbing
Ausgrenzungserfahrungen können stark belasten. Mobbing kann dabei nicht mehr nur in Schule oder im privaten Umfeld, sondern ebenfalls online (Cybermobbing) geschehen. Mobbing kann psychische und/oder körperliche Verletzungen bei Betroffenen erzeugen und zu einer hohen emotionalen Belastung führen.
Sucht
Suchterkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen und sind psychosomatisch, haben also Auswirkung auf Psyche und Körper. Betroffene können abhängig von Substanzen oder von Verhalten sein. Der Entzug einiger Substanzen muss zwingend professionell erfolgen, da dieser ohne medizinische Betreuung tödlich verlaufen kann.
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