Suizidalität

In Deutschland nimmt sich durchschnittlich alle 56 Minuten ein Mensch das Leben. Alle sechs Minuten, so vermuten Fachleute, versucht es jemand.
Bei jungen Menschen unter 25 Jahren wird vermutet, dass die Suizidversuchsrate weitaus größer ist. Suizid ist bei jungen Menschen die häufigste Todesursache.

Suizidalität

In Deutschland sterben mehr Menschen durch die eigene Hand als durch illegale Drogen, Aids und Verkehrsunfälle zusammen. Und: Jede*r Suizidtote lässt durchschnittlich ca. sechs nahestehende Menschen zurück, die oftmals kaum wissen, wie sie weiterleben können.

Suizid und Suizidversuch sind also keine Probleme von Randgruppen, sie sind alltäglich, werden jedoch nur selten von der Gesellschaft wahrgenommen. Grundsätzlich jeder Mensch, vor allem in der Zeit der Pubertät und des frühen Erwachsenenalters, kann in eine Situation kommen, in der sich vorgestellt wird, mit einem Suizid für sich eine Lösung zu finden.

Suizidales Verhalten ist keine Krankheit

Suizidales Verhalten soll eine Lösung sein für einen Zustand, den man nicht mehr länger aushalten will oder ein Appell, der auf die eigene, schwierige, ausweglos scheinende Situation hinweisen soll. Oftmals tritt Suizidalität auch im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen auf.

Viele Betroffene brauchen offene, empathische Menschen, mit denen sie über sich und ihre Situation, ihre Wünsche und Ängste und innere Abgründe sprechen können. Sie suchen in erster Linie keine Lösung, sondern Verständnis, Zeit und Vertrauen.
Im Folgenden werden noch einige Tipps und Hinweise zum Thema Suizid zur Verfügung gestellt. Weitere, vor allem wissenschaftliche Informationen kann man der Website www.suizidpraevention-deutschland.de entnehmen.

Suizid hat viele Namen: Selbsttötung statt Selbstmord

Fachleute sprechen von Suizid. Begriffe wie “Selbstmord” und „Freitod“ lehnen sie ab. Ziel ist es dadurch, Suizid weder zu verherrlichen, noch zu verurteilen. Jährlich sterben in Deutschland mehr Menschen durch Suizid als im Straßenverkehr. Trotzdem ist Suizid ein gesellschaftliches Tabuthema, über das viele Vorurteile kursieren.


Vorurteile, die lebensgefährlich sein können:

1. Wer davon redet, sich umzubringen, tut’s eh nicht!
Kompletter Unsinn! Ca. 80% aller Suizide werden angekündigt – direkt oder versteckt. Das heißt aber nicht, dass jemand, dem alles zu viel wird und der keine Lösung sieht, wirklich tot sein will, aber er*sie steckt in einer Situation, die als ausweglos wahrgenommen wird. Deshalb muss man solche Äußerungen immer ernst nehmen!

2. Keine schlafenden Hunde wecken und nur ja nicht nachfragen, ob sich jemand umbringen will!
Quatsch! Kein Mensch nimmt sich das Leben bloß, weil man ihn darauf angesprochen hat. Im Gegenteil. Wir erleben immer wieder, dass Menschen erleichtert sind, wenn sie mit jemandem über diese Gefühle und Gedanken sprechen können ohne gleich verurteilt zu werden. Sprich aber bitte das Thema Suizid nur dann an, wenn du wirklich helfen willst und selbst mit dem Thema umgehen kannst!

3. Die Neigung zum Suizid ist vererbbar.
Das stimmt nicht. Es ist zwar richtig, dass es Familien gibt, bei denen über Generationen hinweg immer wieder Suizide vorkommen. Das hat aber aus Sicht vieler Fachleute nichts mit Vererbung zu tun, sondern eher damit, dass es „Vorbilder“ gibt.

4. Wer an Suizid denkt, ist nicht normal.
Kein ernstzunehmender Gedanke! Die meisten von uns haben wohl schon einmal eine Krise gehabt, in der man dachte, es sei besser nicht mehr zu leben. Gerade im Jugend- und jungen Erwachsenenalter gibt es oft Situationen, Entwicklungen, die unüberschaubar sind, wo Weiterleben sinnlos erscheinen mag. Dann mal an Suizid zu denken, ist normal. Aber: Konflikte und Probleme (v.a. dann, wenn man sich selbst als “Problem” sieht) können krankmachen. Wenn Depressionen entstehen, zu “Problemlösern” wie Alkohol oder Drogen gegriffen wird, steigt das Selbsttötungsrisiko. Jetzt ist es wichtig, frühestmöglich Hilfe zu suchen.

5. Wer einen Suizidversuch überlebt, der macht das nie mehr wieder.
Leider nicht ganz richtig. Zwar gibt es viele Menschen, die nur in einem bestimmten, für sie schwierigen Lebensabschnitt, einmal diesen verzweifelten Schritt unternommen haben. Es gibt aber auch viele, die immer wieder, wenn sie in Problemen stecken, den Versuch wiederholen und dieser Versuch dann auch erfolgreich verläuft.

6. Nur Feiglinge bringen sich um.
Eine Selbsttötung ist keine Frage von Mut oder Feigheit. Es ist nur so, dass sich jemand so verzweifelt, einsam und hoffnungslos fühlt, dass er für sich keinen anderen Weg mehr sieht!

Wie kann ich als Freund*in helfen?

Wenn dir ein*e Freund*in anvertraut, dass er*sie nicht mehr leben will – bleib mit dieser Info nicht allein.

  • Behalte kein Geheimnis für dich, das zum Tode führen könnte! Das wäre eine zu große Last für dich!
  • Sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust. Denn auch du brauchst jetzt jemanden!
  • Erwachsene verfügen meist über mehr Lebenserfahrung und kennen sich, wenn es um Hilfen geht, besser aus. Wende dich an sie.
  • Mach deinem*deiner Freund*in keine zusätzlichen Vorwürfe. Damit setzt du ihn*sie nur noch mehr unter Druck.
  • Spiele die Probleme nicht runter.
  • Versuch nicht, jemanden zwanghaft umzustimmen. Dann erzählt er*sie vielleicht auch dir nichts mehr. Reden zu können kann aber lebensrettend sein.
  • Gib ihm*ihr das Gefühl, gebraucht zu werden. Viele Menschen, die nicht mehr leben wollen, meinen, dass sie nichts wert sind.
  • Mache keine Versprechungen, die du nicht halten kannst wie: “Ich bin immer für dich da.“ So kannst du dich und deine*n Freund*in schützen.

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In Deutschland suizidiert sich alle 56 Minuten jemand, alle sechs Minuten gibt es einen Suizidversuch. Suizide sind verhinderbar.

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