Depressionen

Depressionen zählen zu den häufigsten Erkrankungen weltweit und beeinflussen das Leben von Millionen Menschen. Auch Angehörige von Menschen mit Depressionen fühlen sich oft hilflos und unsicher.

Depressionen

Wusstest du, dass Depressionen zu den häufigsten Krankheiten überhaupt zählen?

Jede*r Zehnte ist mindestens einmal im Leben von einer Depression betroffen, jeder Fünfte leidet an wiederkehrenden Depressionen. Frauen erkranken ungefähr doppelt so häufig wie Männer.

Depressionen werden oft verharmlost – aber es handelt sich dabei um eine ernstzunehmende Krankheit. Die Stiftung für Deutsche Depressionshilfe gibt an, dass in Deutschland ca. 8,2% also 5,3 Millionen der erwachsenen Deutschen in einem Jahr an einer unipolaren, oder anhaltenden Depression erkranken.  Der folgende Text wurde weitgehend den Informationen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention entnommen.

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen.

Die Depression ist eine der größten Volkskrankheiten. Dies wurde sehr eindrücklich durch eine neuere, weltweit durchgeführte Studie der WHO (“Global burden of disease”, Lopez und Murray, 1996) bestätigt. Im März 2023 gibt die WHO an, dass rund 250 Millionen Menschen weltweit unter Depressionen leiden. (https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/depression

Die Bedeutung der verschiedenen Volkskrankheiten wurde mit einem Indikator ermittelt, der die Erkrankungsjahre pro Bevölkerung berücksichtigt, gewichtet mit der Schwere der Beeinträchtigung durch die jeweilige Erkrankung. In den entwickelten Ländern steht hier die unipolare Depression an erster Stelle (Abbildung 1), mit weitem Abstand vor allen anderen körperlichen und psychiatrischen Volkskrankheiten. Hochrechnungen haben zudem eine in den nächsten Jahren weiter zunehmende Bedeutung der Depression ergeben.

Abbildung 1

Wie entsteht eine Depression?

Eine Depression hat selten eine einzige Ursache. Meist führt ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zur Erkrankung. Die Depression kann sowohl von der körperlichen, biologischen Seite, als auch von der psychischen und psychosozialen Seite erklärt und behandelt werden. Die verschiedenen Sichtweisen stehen, wie bei anderen seelischen Erkrankungen auch, in einem engen Zusammenhang und sollten möglichst gleichwertig betrachtet werden. 

Die früher verbreitete Ansicht, dass Depressionen sowohl körperlich bedingt seien (endogene Depressionen) als auch psychogen bzw. psychoreaktiv (neurotische Depression), hat die Wissenschaft inzwischen revidiert.


Folgende Faktoren spielen für die Entstehung einer Depression eine Rolle:

Veranlagung:
Die Veranlagung zur Depression kann erworben sein, ist jedoch oft auch genetisch bedingt. Menschen mit genetischer Veranlagung neigen vermehrt dazu, bei belastenden Situationen oder auch ohne erkennbare Belastungen eine Depression zu entwickeln. Wie diese genetischen Faktoren genau aussehen, ist bislang ungeklärt. Die Theorie, dass ein einzelnes Gen für Depressionen zu finden ist, konnte nicht bestätigt werden.

Persönlichkeitsfaktoren:
Bestimmte Persönlichkeitsfaktoren können die Depressionsanfälligkeit erhöhen. So sind viele Menschen mit depressiven Erkrankungen im gesunden Zustand eher leistungsorientiert, bereit, Verantwortung für andere zu übernehmen und eher streng mit sich selber.

Psychosoziale Belastungsfaktoren:
Akute psychosoziale Belastungen wie der Verlust oder Tod einer wichtigen Bezugsperson oder chronische Überlastungssituationen können als Auslöser einer depressiven Erkrankung fungieren und in diese einmünden. Auch soziale Faktoren, die eine Anpassung an neue Umstände erfordern (zum Beispiel Heirat, Arbeitslosigkeit, Berentung), treten vermehrt vor dem Beginn einer Depression auf. Jedoch sind nicht bei allen Menschen derartige Auslösefaktoren im Spiel. Depressionen können die Erkrankten ebenfalls wie aus heiterem Himmel, so als ob jemand “den Lichtschalter ausgeschaltet” hätte, treffen.

Körperliche Erkrankungen:
Auch körperliche Erkrankungen, z.B. Schilddrüsenfunktionsstörungen, oder Hormonstörungen, können eine Depression mitverursachen.

Hirnfunktionsstörung:
Ist die Depression einmal ausgebrochen, kann sie den ganzen Körper des Erkrankten in Mitleidenschaft ziehen. Es kommt zu hormonellen Veränderungen, so werden z.B. vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, der Muskeltonus erhöht sich, wodurch der Schlaf-Wach-Rhythmus sowie der Appetit und die Sexualität gestört werden kann.
Als biologische Ursache für diese Veränderungen sowie für die gedrückte Stimmung, die Kraftlosigkeit, die Schuldgefühle und die anderen psychischen Symptome werden veränderte Funktionsabläufe im Gehirn, z.B. bedingt durch veränderte Funktion der Botenstoffe zwischen den Nervenzellen, diskutiert. Serotonin ist z.B. einer dieser Botenstoffe. Bisher ist es allerdings nicht gelungen, eine genau definierte Funktionsstörung im Gehirn zu lokalisieren, die unmittelbar für das Auftreten der depressiven Symptome verantwortlich ist.

Cave:
Man sollte sehr vorsichtig damit sein, Depressionen nur als nachvollziehbare, verständliche Reaktion auf schwierige Lebensumstände aufzufassen. Schwere Schicksalsschläge verursachen zwar Trauer, gedrückte Stimmung und Befindlichkeitsstörungen, jedoch nicht zwangsläufig eine Depression. Tritt allerdings eine depressive Erkrankung auf, so muss sie konsequent behandelt werden.

Einschneidende Ereignisse
Zwei Drittel der von Depression betroffenen Menschen hatten vor ihrer Erkrankung ein belastendes oder einschneidendes Lebensereignis. Nach einem solchen Ereignis ist das Depressionsrisiko etwa ein halbes Jahr lang erhöht.
Ein belastendes Ereignis muss aber nicht zwangsweise zum Ausbruch einer Depression führen. Hier spielen verschiedene Faktoren, wie die gemachten Lebenserfahrungen, das soziale Auffangnetz, eigene Resilienzen, oder auch genetische Veranlagungen eine Rolle, die der Entstehung einer Depression entgegenwirken können. Insofern haben Ereignisse dieser Art in erster Linie eine auslösende Bedeutung. Einschneidende Lebensereignisse können zum Beispiel der Tod eines*r nahen Angehörigen, Partnerschaftskonflikte, die Veränderung der Lebensverhältnisse und der sozialen Rolle (wie z.B. in der Pubertät) oder chronische Überlastungssituationen sein.

Krankheitsbild und Formen der Depression

Depressive Erkrankungen verlaufen meist in Phasen, die über mehrere Monate, bei einigen Patient*innen auch über Jahre anhalten können. Depressionen können sehr individuell sein und teilweise nicht direkt als solche erkennbar sein. Im fachlichen unterscheidet man zwischen:

Unipolare Depression:
Die meisten Menschen, die an einer Depression erkranken, erleiden in ihrem Leben mehr als eine depressive Episode. Derartige Episoden dauern unter Umständen Wochen, manchmal auch Monate, insbesondere dann, wenn die Erkrankten nicht konsequent behandelt werden. Treten ausschließlich depressive Episoden auf, spricht man von einer unipolaren Depression.

Bipolare affektive Störung:
Manche Patienten erleiden nicht nur depressive, sondern auch manische Episoden. Manische Episoden sind gekennzeichnet durch einen unbändigen Tatendrang, meist gehobene Stimmung, fehlendes Schlafbedürfnis, Größenideen, häufig auch durch Kaufrausch. In diesen Fällen spricht man von einer bipolaren affektiven Störung.

Dysthymie:
Manche Menschen leiden an einer meist leichter ausgeprägten, aber dafür chronisch verlaufenden Form der Depression, genannt Dysthymie. Diese beginnt meist im frühen Erwachsenenalter.


Depressive Episoden im Rahmen unipolarer und bipolarer affektiver Störungen sowie Dysthymie gehören zu den wichtigsten Depressions-Diagnosen. Depressive Erkrankungen können jedoch auch im Rahmen körperlicher Erkrankungen, z. B. von Schilddrüsenfunktionsstörungen, oder in Verbindung mit bestimmten Medikamenten, z.B. hochdosierter Cortisonbehandlung, auftreten.

Symptome der Depression

Bei depressiven Menschen kann man sowohl körperliche Veränderungen als auch Veränderungen des Verhaltens und Erlebens beobachten. Hier soll beispielhaft wiedergegeben werden, wie sich das äußern kann:

Verändertes Erleben:
Die Erkrankten berichten über verändertes Erleben. Betroffene beschreiben Gefühle wie: Hilflosigkeit, innere Leere, Schuld und Angst, Verzweiflung und Trauer, aber auch die Unfähigkeit, überhaupt noch Gefühle empfinden zu können (“Ich bin wie versteinert”). Negative Denkmuster können das eigene Leben beeinflussen.
Depressiv Erkrankte können ebenfalls eine pessimistische Einstellung gegenüber sich selbst, den eigenen Fähigkeiten, dem eigenen Aussehen und der Zukunft, verbunden mit starker Grübelneigung entwickeln. Permanente Selbstkritik, Konzentrationsprobleme und auch Suizidgedanken können auftreten. Manche Patient*innen entwickeln auch Wahnvorstellungen, z.B. die Überzeugung unheilbar erkrankt zu sein, oder sich und die Familie finanziell ruiniert zu haben. Die Betroffenen sind nur schwer davon zu überzeugen, dass sie eine Krankheitsepisode durchleben, sollten mit ihren Sorgen jedoch ernst genommen werden.

Verändertes Verhalten:
Die Betroffenen vermeiden soziale Kontakte, stellen Hobbys ein, können ihre Arbeit nicht mehr bewältigen und ziehen sich zurück. Auch Mimik, Gestik und die Stimme können sich Verändern und werden von anderen Personen als erstarrt, leise oder monoton wahrgenommen. Einige Patienten laufen rastlos, verzweifelt und wie getrieben hin und her (agitierte Depression).

Körperliche Beschwerden:
Schlaflosigkeit mit Früherwachen, Appetitstörung mit Gewichtsverlust, Libidoverlust, schnelle Ermüdung und multiple körperliche Beschwerden können zu den vielfältigen somatischen Begleiterscheinungen einer depressiven Störung gehören. Es müssen nicht alle Symptome vorhanden sein, damit eine Depression vorliegt. Für Betroffene stehen die körperlichen Beschwerden meistens im Vordergrund der eigenen Wahrnehmung. 

Versorgungsdefizite bei depressiven Patient*innen

Eine pharmakotherapeutische Behandlung mit Antidepressiva und Psychotherapie (z.B. kognitive Verhaltenstherapie) kann der Mehrheit der depressiven Patient*innen helfen. Durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren kann es dazu kommen, dass Betroffene nicht die bestmögliche Therapie erfahren. 

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die depressiv Erkrankten erleben ihre Erkrankung fälschlicherweise als persönliches Versagen und können sich schämen, zum Arzt zu gehen. 
  • Die meisten depressiven Patient*innen befinden sich bei Hausarzt*innen in Behandlung. Für diesen ist es oft schwierig, eine Depression zu diagnostizieren, da die Patient*innen körperliche Beschwerden in den Vordergrund stellen und so die zugrunde liegende Depression bei mehr als der Hälfte der Patient*innen nicht erkannt wird.
  • Die Schwere depressiver Erkrankungen wird oft von den Nichtbetroffenen unterschätzt, leider nicht selten auch von Ärzt*innen.
  • Selbst wenn die Depression erkannt wird, erhält nur weniger als die Hälfte dieser Menschen eine konsequente antidepressive Behandlung – sei es, weil ärztlicherseits keine wirksame Behandlung verordnet wurde, sei es weil die Patient*innen die Behandlung, z.B. die Einnahme von antidepressiven Medikamenten (Antidepressiva), nicht einhalten bzw. vorzeitig wieder abbrechen oder das Angebot einer Psychotherapie ablehnen.
  • Der Mangel an Psychotherapieplätzen kann es betroffenen Personen erschweren einen passenden Therapieplatz zu finden. 
  • Depressive Personen beschreiben, dass die Krankheit sie so einnimmt, dass sie körperlich und seelisch nicht in der Lage sind, sich überhaupt Hilfe zu holen. Sich Telefonisch oder persönlich bei Ärzt*innen oder Therapeut*innen zu melden, kann für manche ein riesiges Hindernis darstellen. 

Tipps im Umgang mit depressiv Erkrankten

  • Akzeptieren der Depression als Erkrankung!
  • Rat von Fachpersonal einholen!
  • Überforderung vermeiden! (Psychohygiene)
  • Geduldig bleiben!

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/rat-fuer-angehoerige

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